Archiv " Erinnerungen "

Im Dezember 2008

Montag, den 29.Dezember 2008 um 00:40

Urlaubsbedingt komme ich endlich wieder dazu, noch einmal etwas zu schreiben. Seit dem letzen Eintrag gibt es ja auch wieder allerhand, auf das ich eingehen müsste. Spontan möchte ich der Freude über den Sieg von Barrak Obama Ausdruck verleihen - gepaart mit einem Kopfschütteln über unsere Kanzlerin: “Der Aufschwung kommt bei den Bürgern an” hatte sie gesagt, allein - was kam den wirklich an?

Während man nicht mehr das Gefühl hat, dass die Politik die Zügel noch fest in der Hand hat,  gab es natürlich mal wieder viel Arbeit für mich - insbesondere beim Aufbau des ersten schwulen Fernsehsenders “Timm”. Und übrigens - am 6.12.2008 war ein ganz besonderer Tag: An diesem Tag war es genau 20 Jahre her, dass ich meinen Mann Thomas kennen gelernt hatte; auf einem Autobahnparkplatz an der A57 vor dem Kreuz Köln Nord (wenn man von Düsseldorf kommt, was ja täglich der Fall war, da ich zu der Zeit in Düsseldorf gearbeitet habe) Wie schnell sind diese 20 Jahre doch vergangen! In der Zeit wurde mehrfach in der Verwandtschaft und Familie geheiratet, es wurden Kinder geboren, die mittlerweile Erwachsene sind, es wurden auch Beziehungen wieder beendet und ich bin mit meinem Mann Thomas mehrfach Umgezogen – davon zwei mal nach Berlin. Ach und im November waren es doch schon wieder glatt 10 Jahre, in denen wir nun in Berlin leben – da verlieren die Jahre in Köln so langsam an Bedeutung, man mag es kaum glauben!

Heute haben wir wider allen Weihnachtsschmuck aus der Wohnung entfernt, die Tage werden ja auch schon wieder länger und lassen wir uns doch mal überraschen, was uns das Jahr 2009 so bringen wird. Mann, die Zeit rennt – noch einmal knapp etwas länger, als ich nun in Berlin bin und ich hab die Rente durch – einfach wirklich unfassbar!

Ach und ehe ich’s noch vergesse: Erst kürzlich hat der Vatikan die französische Initiative in der UN-Vollversammlung gegen die weltweite Entkriminalisierung der Homosexualität torpediert. Der Papst und der Vatikan waren sich nicht zu schade, mit den schlimmsten Menschenrechtsverletzern wie Sudan, Iran, Pakistan oder Jemen an einem Strick zu ziehen, als es um die Menschenrechte von Lesben und Schwulen in aller Welt ging. Der Papst erklärte allen Ernstes Homosexualität zur “Gefahr für die Menschheit” und als “Zerstörung von Gottes Werk”. Presseorgane berichten:”Papst Benedikt XVI. hat gleichgeschlechtliche Beziehungen mit der Zerstörung der Umwelt verglichen.”

Das steht nicht mehr auf der Grundlage des Katechismus der katholischen Kirche, der von den Gläubigen Achtung und Takt gegenüber den Homosexuellen fordert. Solche Worte sind hetzerisch und stacheln zum Hass gegen Homosexuelle auf. Soweit die Weihnachtsbotschaft für dieses Jahr…

Mikel
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die alte Heimat

Donnerstag, den 19.April 2007 um 17:56

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Da war ich wegen eines Notartermins in Leverkusen und konnte so ein paar Vergleiche zu Berlin anstellen. Vergleiche zwischen Großstadt und Kleinstadt, zwischen Ostdeutschland und Westdeutschland - aber auch zwischen arm und reich.

Obschon ich ja erst seit nunmehr 8 Jahren in Berlin wohne, habe ich mich an das Leben in der Hauptstadt derart gewönht, dass mir folgende Dinge in der alten Heimat sofort auffallen: Alle sind hier irgendwie super gestresst und durchweg neue, viel zu große und extrem sauber geputzte Fahrzeuge fahren hier durch viel zu enge Straßen mit ständig roten Ampeln, die aber alle irgendie frisch lackiert aussehen.

Wie anders ist das Bild doch in Berlin: Hier sind die Wagen im Schnitt mindestens 5 Jahre älter, wenn nicht mehr, kleiner - und fahren durch Straßen mit richtig viel Platz, leidlich funktionierenden grünen Wellen aus alten, mattgrünen und teils ergrauten Ampelanlagen (das mag der gemeine Autofahrer in Berlin durchaus ganz anders sehen)

Später noch mehr dazu…

Mikel

45 Jahre Berliner Mauer

Sonntag, den 13.August 2006 um 18:04

Ja, oft habe ich sie als Kind gesehen, die Berliner Mauer - ich komme zwar aus dem Westen, aber hatte eine Tante in Berlin, die ich öfter besucht habe… Ich erinnere mich an die langwierigen Grenzkontrollen und an das komisch Gefühl, welches mich bei den Kontrollen immer beschlich. Das folgende Zitat allerdings kannte ich noch nicht, dafür war ich zu der Zeit noch zu jung. Im Jahre 1961 war ich erst sechs Jahre alt.

Kurz nach dem Mauerfall zog ich das erste mal nach Berlin um hier zu arbeiten. Und - trotzdem die Mauer ja gefallen war, ich hatte noch immer das Gefühl: egal in welche Richtung man geht, es geht immer nach Osten. Wie stark muss dieses Gefühl für die Westberliner vor dem Mauerfall erst gewesen sein?

Und für die Ostberliner gab es doch nur zwei Alternativen: entweder man arrangierte sich mit der Situation (am Plattensee kann man ja auch so herrlich Urlaub machen) oder man fand es so unerträglich, daß man nur noch “rüber” wollte. Die Aussichten für einen Fall der Mauer waren ja auch nicht gerade ermutigend, wie folgendes Ziat zeigt:

Weil ich mich trotz Mauerfall noch immer wie auf einer Insel fühlte, bin ich dann nach drei Jahren Berlin wieder nach Köln gezogen und bekam dann doch wieder Heimweh nach Berlin und zog erneut um! Mittlerweile bin ich überzeugter Hauptstädter und beobachte, wie sich die Narben der Stadt verschließen. Und überhaupt - Berlin ändert sich schnell und dynamisch, man kann kaum alle die Dinge im Auge behalten, die sich hier ständig verändern. Waren früher noch Ostberlin und Westberlin eindeutig zu unterscheiden, so sind die Unterschide mittlerweile fast vollständig verwischt. Allein - in vielen Köpfen existiert die Mauer noch. Selbst ich erwische mich manchmal bei Unterscheidungen von “typisch Ossi oder Wessi” und glaube sogar die Ostberliner an der besonderen Mundart erkennen zu können; da frage ich mich so oft, wie die Stadt vor dem Mauerbau von ihren Bewohnern erlebt wurde, als die Einheit der Stadt etwas selbstverständliches und gar nicht anders vorstellbares war. Jedenfalls gab es da noch nicht die aktuellen Vergleiche: “bei Euch im Westen ist ja alles voll Türken” und “bei Euch im Osten leben ja nur Rechtsradikale und Chaoten”.

Aber nun das Wichtigste: Es gibt in dieser Stadt doch wieder eindeutige Himmelsrichtungen! Das allerdings hat länger gedauert, als viele das anfangs glauben wollten. Und auch die Mauer in den Köpfen wird noch endgültig fallen, da bin ich mir ganz sicher.

Mikel